Kriechendes Netzblatt
Goodyera repens
Orchidee des Jahres 2021
RLT: 2
RLD: 3
Das Netzblatt besitzt ein großes, eurosibirisches-nordamerikanisches Areal und ist in Europa von den Pyrenäen und Schottland bis an die Ostgrenze, vor allem in der borealen Zone weit verbreitet. In Deutschland gehört es zu den selteneren Arten; es siedelt sowohl in den Alpen und dem Voralpengebiet als auch in Kiefernwäldern Vorpommerns (Rügen, Usedom, Darß). Die Vorkommen in den deutschen Mittelgebirgen sollen überwiegend auf den Kiefernwaldanbau zurückgehen. In Thüringen kommt es in den Muschelkalkgebieten vor, vor allem im Bereich der Mittleren Saale, in der Vorderrhön und im Meininger Muschelkalkgebiet.
Das Kriechende Netzblatt ist die einzige immergrüne Orchidee in Deutschland. Es wird bis 25 cm groß, meist bleibt es jedoch deutlich kleiner. Die Blüten sind klein und unscheinbar. Die dunkelgrünen Blätter weisen eine markante Netznervatur auf.
Das Netzblatt kommt in mageren, lichten, Kiefern- oder Kiefern-Fichten-Mischbeständen vor. Bevorzugt werden ausgehagerte Standorte, mit an der Oberfläche etwas entkalkten, mäßig feuchten, frischen Böden über Muschelkalk. Die Pflanze lebt vorzugsweise im Halbschatten lichter Nadelholzbestände mit niedriger moosreicher Bodenvegetation.
Die Pflanzen wurzeln sehr oberflächennah in der Moosschicht der Wälder. Deshalb sind sie durch die zunehmend heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre sehr gefährdet und es ist in allen außeralpinen Biotopen ein starker Bestandsrückgang zu beobachten. Das Netzblatt kann damit als Verlierer der Klimaveränderungen bezeichnet werden. Aber auch die natürliche Waldentwicklung (hin zu Laubmischwaldbeständen) lässt sie seltener werden.
Galerie
- Die Art vermehrt sich stark vegetativ und ist das ganze Jahr über grün
- Blüten von Goodyera repens
- Goodyera repens
Verbreitung von Goodyera repens in Thüringen


