Blattloser Widerbart
Epipogium aphyllum
Orchidee des Jahres 2014
RLT: 1
RLD: 2
Der Widerbart ist ein chlorophyllfreier Geophyt. Deshalb ist er Zeit seines Lebens auf die Symbiose mit Wurzelpilzen (Mykorrhiza) angewiesen, von denen er sich auch größtenteils ernährt (Mykoheterotrophie). Aufgrund seines unscheinbaren Habitus und der Tatsache, dass er oft jahrelang an seinen Wuchsorten ausbleiben kann, ist er schwer zu beobachten. Auch blühende Triebe vertrocknen sehr schnell und sind dann nicht mehr aufzufinden.
Es handelt sich um eine eurosibirische Art, deren Vorkommen von den Gebirgen Westeuropas (Pyrenäen) bis nach Kamtschatka und Japan reichen. Hauptverbreitungsgebiete in Deutschland sind die Alpen, die Schwäbische Alb und Mitteldeutschland. In Thüringen kam die Art ehemals sehr zerstreut in allen Landesteilen vor. Seit langer Zeit wird sie allerdings nur noch in Nordwestthüringen beobachtet, wo es nach dem Jahr 2000 Nachweise aus nur noch sechs Gebieten gab (Hainich-Dün-Hainleite und Werrabergland).
Der Widerbart ist eine Waldpflanze und siedelt bevorzugt an Standorten in der Nähe wasserzügiger Stellen. Die Habitate befinden sich auf halbschattigen bis sehr schattigen feuchten Unterhanglagen des Muschelkalks der Triasformation oder des Zechsteins auf frischen bis mäßig frischen Lehmböden.
Entscheidend für sein Vorkommen ist die Erhaltung alter Bäume (Buchen), mit denen der Widerbart über die unterirdischen Pilznetzwerke in Verbindung steht und die nicht nur für ausreichende Beschattung, sondern auch seine Ernährung sorgen.
Galerie
- Epipogium aphyllum
- Einzelblüte des Widerbartes - die Lippe zeigt nach oben (Name!)
- Biotop des Widerbartes in Nord-Thüringen
Verbreitung des Blattlosen Widerbartes in Thüringen


