Bocks-Riemenzunge
Himantoglossum hircinum
Orchidee des Jahres 1999
RLT: -
RLD: -
Die Bocks-Riemenzunge ist im westlichen Europa vom Mittelmeergebiet bis nach Südengland verbreitet und hat von dort aus Mitteleuropa erreicht. In Deutschland war sie bis vor Jahren nur im wärmegetönten Süden anzutreffen, erreichte geradeso Thüringen und den Süden Sachsen-Anhalts, breitet sich aber langsam nach Norden aus (NRW, Niedersachsen, Sachsen-Anhalts nördlich des Harzes).
Es handelt sich bei der Bocks-Riemenzunge um eine sehr stattliche Orchidee, die bereits im Herbst mit einer kräftigen Blattrosette (manchmal bis 30 cm Durchmesser) austreibt und mit dieser überwintert. Auch zur Blütezeit fällt sie in den Halbtrockenrasen durch ihre Größe auf.
Vor 1990 war sie in Thüringen eine der seltensten Orchideenarten und kam nur an drei Wuchsorten der Jenaer Umgebung (Leutratal, Dohlenstein, Lobdeburg) vor. Nach 1990 gab es eine kontinuierliche Ausbreitung, sowohl was die Anzahl der Wuchsorte, als auch die Zahl der dort siedelnden Individuen betrifft. Auf der Verbreitungskarte von 2014 sind bereits 39 Messtischblatt-Quadranten als besetzt ausgewiesen. Damit zählt diese Art wahrscheinlich zu den Gewinnern der Klimaveränderung. Und inzwischen hat sie weitere Gebiete (Thüringische Rhön, Zechsteinband, Werrabergland, Nordthüringen) erreicht.
Die Standorte der Bocks-Riemenzunge sind nicht zu nährstoffarme aber ungedüngte Wiesen, die auch nicht zu trocken sind und nicht unbedingt jedes Jahr gemäht werden sollten. Die Pflanzen siedeln in den offenen Wiesen, oft bevorzugt im Halbschatten oder im Traufbereich von Büschen. Selbst in Gebüschen ohne starken Unterwuchs scheinen sie sich manchmal wohl zu fühlen. Hin und wieder werden auch – ähnlich wie in Süd-Europa – Weg- und Straßenränder und Böschungen sowie nicht zu stark degradierte Ruderalstandorte besiedelt.
Aufgrund der aktuellen Ausbreitung ist sie nicht mehr in den Roten Listen der gefährdeten Pflanzenarten enthalten.
Galerie
Verbreitungskarte von Himantoglossum hircinum in Thüringen


