AHO Thüringen

Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e. V.

Autor: root (Seite 1 von 6)

Ne us

Brand-Knabenkraut – Neotinea (ehemals: Orchis) ustulata

Das Brand-Knabenkraut ist wie die meisten Knabenkraut-Arten stark zurück gegangen. Ein Schwerpunkt der Verbreitung war früher das mittlere Saaletal, aber inzwischen sind hier nur noch wenige Pflanzen vorhanden. Verbreitungsschwerpunkte sind heute die Badraer Lehde, der Südwesthang des Kyffhäuser sowie die Hainleite bei Günserode. 
Am Alten Stolberg blühen wenige Exemplare einer spätblühenden Sippe: Neotinea ustulata supsp. aestivalis.

Neotinea ustulata – Verbreitung in Thüringen

Op ap

Bienen-Ragwurz, Biene – Ophrys apifera

Die Bienen-Ragwurz war zum Ende des 19. Jahrhunderts in Thüringen selten.  Inzwischen hat sie sich nicht nur über das gesamte Thüringen ausgebreitet, sie besiedelt auch verstärkt Sekundärstandorte wie alte Steinbrüche, Schießstände, Bergwerkshalden und die „Vorgarten“-Anlagen in den Plattenbau-Siedlungen und bildet dabei auch recht starke Vorkommen. Das hat zur Folge, dass sie in der Roten Liste Thüringens nicht eingestuft ist.
Ophrys apifera ist die einzige Ophrys-Art, die autogam ist. Sie scheint eine recht alte Art zu sein, ihr Gesamt-Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das gesamte Europa mit Ausnahme der nordeuropäischen Staaten und reicht bis an den Südrand des Kaukasus. Durch die Autogamie ist der Habitus recht stabil, es treten dabei Farbabweichungen auf und Veränderungen der Malgestaltung. Sicher auf die Autogamie zurückzuführen sind Veränderungen der Petalen (obere innere Perigonblätter), die typisch grün und behaart sind, hin zu Blättern, die in Form und Farbe den Sepalen (äußere Perigonblätter) gleichen (Ophrys apifera var. jurana). Einher geht eine Auflösung des Mals der Lippe (Ophrys apifera var. botteroni) bis zur Umgestaltung auch der Lippe zu einem den Sepalen gleichenden Blatt. Diese Varietät wurde 2017 als Ophrys apifera Huds. var. jenensis H. Voelckel et E.Theel im Saaletal gefunden und beschrieben.

Verbreitung von Ophrys apifera in Thüringen

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Einknollige Honigorchis – Herminium monorchis

Die Gattung ist in Asien und Nord-Afrika weit verbreitet, Eiropa und Deutschland erreicht aber nur eine Art: Herminium monorchis. Die Art wird bis 20 cm hoch und besitzt die Fähigkeit der vegetativen Vermehrung, indem sie unterirdische Ausläufer bildet, an deren Ende eine neue Knolle gebildet wird. So kann sie an ihr zusagenden Standorten auch größere Bestände bilden. 
Die Honigorchis siedelt in mageren, lückigen, kalkbeeinflussten Halbtrockenrasen. Bevorzugt werden halbschattige Lagen. Auch in wechselfeuchten Wiesen am Rand von Kalkflachmooren kann man die Art finden. Je trockener der Standort ist, desto mehr werden absonnige Lagen bevorzugt. 
Die Art war in Thüringen früher zerstreut zu finden. Aktuell gibt es sie aber nur noch an wenigen Stellen in der Vorder-Rhön sowie im Liebensteiner Zechsteingebiet. (rote Liste Thüringens: Kategorie 1 = vom Aussterben bedroht!

Verbreitung von Herminium monorchis in Thüringen

Ep he

Breitblättrige Stendelwurz, Breitblättrige Sitter – Epipactis helleborine

Die Breitblättrige Stendelwurz ist die häufigste Art der Gattung in Thüringen und hat die größte Verbreitung. Dementsprechend wird sie nicht in der Roten Liste geführt.
Sie ist eine sehr variable Art. Das hat dazu geführt, dass eine Vielfalt von Sippen abgetrennt wurden und mit unterschiedlichem Status (Unterart, Varietät, Form) beschrieben wurden.
Unter den für Thüringen unterschiedenen Sippen sind zu nennen:

  • Epipactis helleborine subsp. helleborine
  • Epipactis helleborine supsp. orbicularis (Synonym Epipactis distans s. dort)
  • Epipactis helleborine var. purpurea
  • Epipactis helleborine subsp. minor
Verbreitung von Epipactis helleborine in Thüringen (alle Sippen)

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Korallenwurz – Corallorhiza trifida

Die Korallenwurz hat in nur eine Vertreter in Europa – Corallorhiza trifida. Sie ist eine kleine, blattlose gelblich grüne Pflanze, die oft schon im April aufblüht. Meist werden die PFlanzen nicht höher als 15 cm, manchmal trifft man auch Exemplare bis 25 cm Größe an.
Nur selten trifft man in Thüringen auf reich besetzte Fundorte. Zunehmend gehen Populationen verloren. Die Korallenwurz ist als mykoheterotrophe Orchideenart ständig auf die Symbiose mit Pilzen angewiesen. Inzwischen ist bekannt, dass diese Lebensgemeinschaft sehr sensibel auf Biotopveränderungen reagiert. Innerhalb Deutschlands hat sie ihren Verbreitungsschwerpunkt in Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. In Thüringen findet man die Korallenwurz nur noch zerstreut in den Kalkgebieten, außerhalb der Kalkgebiete fehlt sie inzwischen.

Verbreitungskarte für Corallorhiza trifida in Thüringen

Hi hi

Bocks-Riemenzunge – Himantoglossum hircinum

Die Gattung der Riemenzungen ist hauptsächlich in Süd- und Südost-Europa verbreitet. In Deutschland gibt es nur eine Art – die Bocks-Riemenzunge – Himantoglossum hircinum.  Etwa 1980 gab es in Thüringen noch drei Vorkommen (Messtischblatt-Quadranten) – alle im Raum, Jena.  Auf der Verbreitungskarte von 2014 sind 39 (!!!) Messtischblatt-Quadranten als besetzt ausgewiesen. Bis vor wenigen Jahren endete ihr Verbreitungsgebiet im Raum Freiburg an der Unstrut, inzwischen gibt es auch Vorkommen nördlich des Harzes und in Niedersachsen. In der Thüringer Roten Liste ist die Art folgerichtig auch nur noch in der Kategorie 3 = Gefährdet  eingestuft.
Es handelt sich bei der Bocks-Riemenzunge um eine sehr stattliche Orchidee, die bereits im Herbst mit einer kräftigen Blattrosette (manchmal bis 30 cm Durchmesser) austreibt und mit dieser überwintert. Die  Art braucht atlantisch getönte Witterungsverhältnisse, insofern bleibt abzuwarten, wie sie Trockenperioden wie sie bereits 2017, aber verstärkt 2018 herrschten , überdauert.
Die Standorte der Bocks-Riemenzunge sind nicht zu nährstoffarme aber ungedüngte Wiesen, die auch nicht zu trocken sind und nicht unbedingt jedes Jahr gemäht werden sollten. Die Pflanzen siedeln in den offenen Wiesen oft bevorzugt im Halbschatten oder im Traufbereich von Büschen. Selbst in Gebüschen ohne starken Unterwuchs scheinen sie sich manchmal wohl zu fühlen. Hin und wieder werden auch – ähnlich wie in Süd-Europa – Weg- und Straßenränder und Böschungen sowie nicht zu stark degradierte Ruderalstandorte besiedelt.

Verbreitungskarte von Himantoglossum hircinum in Thüringen

Ps al

Weißzunge, Weiße Höswurz – Pseudorchis albida

Die Gattung ist nach neuester Auffassung monotypisch (d.h. sie besteht nur aus einer Art). Die einzige Art ist in den Gebirgen und den borealen und temperaten Zonen Europas bis Skandinaviens, Islands und Grönlands sowie Asiens bis Kamtschatka zu finden (PRIDGEON et al. 2001: 357). 
Pseudorchis albida war offenbar noch nie eine häufige Art in Thüringen. Sie hatte aber sowohl im Thüringer Wald, als auch im Schiefergebirge und in den Vorbergen über Buntsandstein und Kalk eine stattliche Anzahl von Fundorten. Heute ist sie auf den Bergwiesen im Thüringer Wald und im Schiefergebirge und der Rhön eine große Seltenheit und akut vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kategorie 1 = vom Aussterben bedroht). KÜMPEL et al. (1989, S.3) erläuterten, dass von ehemals 94 besetzten Gauß-Krüger-Feldern nur noch 8 Vorkommen vorhanden waren. Die gegenwärtige Verbreitungskarte weist 10 besetzte Messtischblatt-Quadranten aus (s.u.).

aktuelle Verbreitungskarte von Pseudorchis albida in Thüringen

Ep ap

Blattloser Widerbart – Epipogium aphyllum

Die Gattung hat 6 Arten, davon kommt in Europa nur eine vor: Epipogium aphyllum. Die Pflanze ist chlorophylllos und gehört damit neben der Nestwurz und der Korallenwurz zu den saprophytisch wachsenden Orchideen, die in ihrer Ernährung ständig auf die Symbiose mit Wurzelpilzen angewiesen sind. Die Pflanze hat keine Laubblätter. Der Stängel wird bis etwa 20 cm hoch und trägt 1-4 (6) Blüten.
Der Widerbart ist ein sehr unsteter Geselle, der oft jahrelang an seinen Wuchsorten ausbleiben kann. Dazu kommt, dass seine Ansprüche an den Lebensraum immer mehr durch Waldbewirtschaftung u.Ä. gestört wird.
Der Blattlose Widerbart bevorzugt Standorte in der Nähe wasserzügiger Stellen. Die Waldstandorte befinden sich auf halbschattigen bis sehr schattigen feuchten Unterhanglagen des Muschelkalks der Triasformation oder des Zechsteins auf frischen bis mäßigfrischen Lehmböden.
Er hat seine aktuelle Hauptverbreitung im nördlichen Thüringen auf dem Eichsfeld und in der Hainleite bei Sondershausen. Außerhalb dieser Gebiete trat er auch in der Vergangenheit nur sehr zerstreut und meist einzeln auf. Epipogium aphyllum ist in Thüringen überall vom Aussterben bedroht: Rote Liste: Kategorie 1 = vom Aussterben bedroht.

Verbreitung des Blattlosen Widerbartes in Thüringen

Da sa

Holunder-Knabenkraut – Dactylorhiza sambucina

Das Holunder-Knabenkraut (der Name kommt von dem Duft der Blüten) ist eine Orchidee der Bergwiesen, früher kam sie auch im Kalk-Hügelland vor. Dort sind inzwischen alle Vorkommen erloschen. Auch auf den Bergwiesen ist die Situation kaum besser. Gibt insgesamt Nachweise in 144 Gauß-Krüger-Feldern  (1 km²) in Thüringen, so waren davon 1989 noch 15 mit wenigen Pflanzen besetzt, während heute die Art nur noch  an 13 Lokalitäten – meist mit weniger als 10 Pflanzen – vorhanden ist. Der Rückgang ist auf eine Auflassung der Bergwiesen, ihren Umbruch mit Neuansaat von Futtergräsern zu DDR-Zeiten und auch heute meist fehlender artzuträglicher Nutzung zurück zu führen.
Das Holunder-Knabenkraut kommt in Mittel- und Südeuropa in nahezu auf allen Berglagen vor, wo sie teils starke Vorkommen bilden, nach Norden zu werden die Vorkommen seltener, aber in Süd-Skandinavien gibt es noch größere Vorkommen. Großbritannien und Irland werden nicht erreicht.
Die Art ist nicht sehr variabel, wenn man davon absieht, dass sie in meistens in zwei Varianten – einer gelbblütigen und einer rotblütigen Form – vorkommt. Dies sit in Thüringen der Fall. Wenn nur eine Farbe vertreten ist, sind es die gelbblütigen Pflanzen.

Verbreitung von Dactylorhiza sambucina in Thüringen

Da ma

Breitblättriges Knabenkraut, Mai-Kuckucksblume – Dactylorhiza majalis

Das Breitblättrige Knabenkraut ist ebenfalls weit verbreitet in Europa, aber nicht so weit wie Dactylorhiza incarnata. (die Schwesternart). Die Verbreitung beschränkt sich auf ganz Mittel- und große Teile West-Europas, in Osteuropa werden vor allem die baltischen Staaten besiedelt, außerdem Teile Westasiens. Die wärmeren Gebiete (Süd-)Europas, aber auch Großbritannien und Irland sowie Skandinavien bleiben ausgespart.
Charakteristische Merkmale der in feuchten und nassen Wiesen wachsenden Art sind die breiten (Name!), meist gefleckten Blätter, die den Blütenstand nicht erreichen. Dactylorhiza majalis ist trotz der Trockenlegung vieler feuchter und nasser Wiesen noch eine der Orchideenarten mit der weitesten Verbreitung in Thüringen. Sie bildet an einigen Stellen Massenvorkommen mit mehr als 10.000 Pflanzen. Jedoch können mangelnde und nicht sachgerechte Bewirtschaftung der Lebensräume sehr schnell zum Erlöschen von Vorkommen führen.
Die Art ist in Thüringen im Gegensatz zum Gesamtverbreitungsgebiet noch relativ konstant, aber es werden trotzdem Unterarten bzw. Varietäten beschrieben (z.B. Dactylorhiza majalis subsp. brevifolia , die aber bei Kew http://wcsp.science.kew.org/home.do und auch bei ECCARIUS (Die Orchideengattung Dactylorhiza) in die Synonymie zur Hauptart verwiesen  werden.

Verbreitungskarte für Dactylorhiza majalis in Thüringen
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